Widen the Circle Winterforum 2026

14. und 15. Februar 2026 auf der Online-Plattform Zoom

„Zielscheibe Erinnerung: Rechte Angriffe und rechter Geschichtsrevisionismus“ 

Angriffe auf Gedenkorte und Erinnerungskultur nehmen in Deutschland seit Jahren spürbar zu. Die Entwicklung ist nicht nur subjektiv wahrnehmbar. Sie lässt sich auch belegen. So dokumentierten die Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora 2019 lediglich acht rechtsextreme Vorfälle. 2024 waren es bereits 19, und allein im ersten Halbjahr 2025 wurden 16 weitere registriert. Ähnliche Muster zeigen sich bundesweit: Immer häufiger werden Gedenkorte beschädigt, Stolpersteine herausgerissen oder Personen, die sich für die Erinnerung einsetzen, bedroht.

Gleichzeitig gewinnen geschichtsrevisionistische Narrative und antisemitische Inhalte in sozialen Medien, im öffentlichen Diskurs und sogar in Parlamenten an Sichtbarkeit und Einfluss. Sie verzerren historische Fakten, relativieren nationalsozialistische Verbrechen und untergraben zentrale Werte unserer demokratischen Gesellschaft.

Angesichts dieser Entwicklungen widmet sich das Winterforum 2026 der Frage, wie wir Erinnerungskultur schützen, stärken und weiterentwickeln können. Gemeinsam mit eingeladenen Gästen und engagierten Mitgliedern unseres Netzwerks wollen wir beleuchten, wie demokratische Akteur*innen auf die wachsenden Herausforderungen reagieren können und welche Strategien nötig sind, um rechtsextremen Angriffen und geschichtsrevisionistischen Tendenzen entgegenzutreten.

Zur Anmeldung

In diesem Jahr freuen wir uns ganz besonders, das Winterforum 2026 mit einer Hawdala-Zeremonie zu eröffnen, gestaltet von Rabbinerin und Hillel-Mitgründerin Rebecca Blady. Mit dem gemeinsamen Abschied vom Schabbat setzen wir einen besonderen, besinnlichen Auftakt für unser Forum. Im Anschluss diskutieren wir mit Francis-Romeo Reich, freier Mitarbeitender der Gedenkstätte Buchenwald und Vorstandsmitglied von Keshet Deutschland, über die zunehmenden Angriffe auf Gedenkarbeit und die Herausforderungen, denen sich Erinnerungskultur heute stellen muss. Am Sonntag erwarten die Teilnehmenden zwei vertiefende Workshops zu den Themen „Geschichte statt Mythen“ mit Jakob Schergaut (Universität Jena) sowie „Historische Hassrede auf Tikok & Co: Empfehlungen zum Umgang mit Online-Geschichtsrevisionismus “ mit Oliver Saal (Amadeo Antonio Stiftung) die Raum für Analyse, Austausch und praktische Kompetenzen bieten. Ein weiterer Höhepunkt ist das Kennenlernen der Obermayer-Preisträger*innen 2026, die ihre inspirierende Arbeit vorstellen und Einblicke in ihr Engagement geben werden..

Wir freuen uns sehr auf diskussions- und lehrreiche Tage mit Ihnen. Selbstverständlich können Sie auch nur an einzelnen Veranstaltungen teilnehmen. 

Programm Winterforum 2026

Das Winterforum findet wie in den vergangenen Jahren digital auf der Onlineplattform Zoom statt. Den Link dazu erhalten Sie nach der erfolgreichen Registrierung.


14. Februar 2025 (Samstag)

17:45 – 18:30 Uhr · Willkommen und Kennenlernen

18:30 – 19:00 Uhr · Hawdala-Zeremonie mit Rabbinerin Rebecca Blady

19:00 – 20:30 Uhr · Keynote & Gespräch mit Francis-Romeo Reich Angriffe auf Gedenkarbeit: Herausforderungen für Erinnerungskultur heute


15. Februar 2025 (Sonntag)

10:30 – 11:00 Uhr · Gemeinsamer informeller Start in den Tag bei Kaffee

11:00 – 12:30 Uhr · Vorstellung der neuen Obermayer-Preisträger*innen 2026

12:30 – 13:15 Uhr · Mittagspause

13:15 – 14:45 Uhr · Inputs in Kleingruppen

  • Geschichten statt Mythen (Jakob Schergaut, Universität Jena)

  • Historische Hassrede auf Tikok & Co: Empfehlungen zum Umgang mit Online-Geschichtsrevisionismus (Oliver Saal, Referent für digitale Themen)

14:45 – 15:15 Uhr · Gemeinsamer Abschluss

Inputs in Kleingruppen

Historische Hassrede auf Tikok & Co: Empfehlungen zum Umgang mit Online-Geschichtsrevisionismus mit Oliver Saal

 Die Umdeutung von Geschichte durch menschenfeindliche Akteur*innen macht auch vor den sozialen Medien nicht Halt. Dabei verfolgt vergangenheitsbezogene Hate Speech den Zweck, mit vermeintlichen Fakten aus der Geschichte die Ausgrenzung von Gruppen im Hier und Heute zu rechtfertigen. Im interaktiven Vortrag diskutieren wir deshalb: Was ist (historische) Hassrede? Wie können wir ihr in den Kommentarspalten wirksam begegnen? Was können Moderator*innen von Accounts oder Messenger-Gruppe tun – und wie können wir hasserfüllten, falschen und gefährlichen Beiträgen widersprechen?

Geschichte statt Mythen mit Jakob Schergaut

Geschichte statt Mythen ist eine Kooperation der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, gefördert von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ). Das Projekt erfasst, dokumentiert und analysiert Geschichtsrevisionismus und veröffentlicht seine Erkenntnisse über die Homepage www.geschichte-statt-mythen.de sowie über Social Media und öffentliche Auftritte. Im Fokus stehen parlamentarische Auseinandersetzungen, Social-Media-Beiträge und Publikationen der extremen Rechten. Dabei zeigt sich: Klassische Topoi extrem rechter Geschichtspolitik und geschichtsrevisionistische Mythen werden zielgruppenspezifisch aufbereitet – von prägnanten Reels auf Instagram und TikTok für Jugendliche bis hin zu pseudointellektuellen Publikationen der Neuen Rechten. Geschichte statt Mythen stellt diesen historischen Verzerrungen eine wissenschaftlich fundierte Gegenrede entgegen.

Referent*innen

Francis-Romeo Reich studierte Germanistik und Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Seit April 2024 setzt er sein Studium im Masterstudiengang Literatur – Kunst – Kultur an der Universität Jena fort. Er spezialisierte sich auf deutsch-jüdische Literatur und Shoahforschung und veröffentlichte unter anderem "Kunst und Kultur im Außenlager Sömmerda" bei Hentrich&Hentrich. Außerdem ist er freier Mitarbeiter der Gedenkstätte Buchenwald und des Museums Zwangsarbeit im NS Weimar.

Oliver Saal ist Historiker und arbeitet als Referent für digitale Themen bei der Amadeu Antonio Stiftung in Berlin. Er publiziert zu den Themen Rechtsextremismus und digitaler Hass. In der Amadeu Antonio Stiftung war er zuerst als Social Media Redakteur beschäftigt. Nun hilft er zivilgesellschaftlichen Organisationen, sich in Social Media gegen Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus zu wehren.

Jakob Schergaut ist Sozialwissenschaftler und arbeitet am Institut für Geschichte in Medien und Öffentlichkeit der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Seit August 2024 ist er verantwortlich für "Geschichte statt Mythen". Das Projekt widmet sich der Dokumentation und Einordnung von rechtsextremen Geschichtsrevisionismus und "fake history" in Thüringen und darüber hinaus.

 Zur Anmeldung